Kritik an „Campus Mainz“

Wie wir bereits berichteten, sollte und soll in der kommenden Sitzung des StuPa am Mittwoch, den 30.11.2011 (ab 20.15 Uhr im Senatssaal), und unter Ausschluss der (nicht-universitären) Öffentlichkeit ein Vertrag mit dem Verein „Campus Mainz“ lanciert werden, der für einen Zeitraum von 5 Jahren angesetzt ist und dessen Kern im Wesentlichen aus regelmäßigen Zahlungen seitens des AStA in Höhe eines Gesamtvolumen von über 50.000€ sowie diverser infrastruktureller Leistungen und Verpflichtungen gegenüber Campus Mainz. Mit Hilfe dieser Zahlungen, entnommen aus den Semesterbeiträgen der Studierenden sowie mit finanzieller Unterstützung der beiden anderen Vertragspartner_innen Studierendenwerk und Universität, soll ein Groß-Projekt gestartet werden, dessen erklärtes Ziel es ist die Hegemonie über die universitäre und vor allem die studentische Öffentlichkeit zu erringen. Unterstrichen wird das Ganze dabei vor allem durch das vertragliche Machwerk, das vergangene Woche dem Studierendenparlament erstmalig vorgelegt wurde:

Dieser beinhaltete für den Verein (und nicht für die Studierendenschaft!) äußerst großzügige Fristen in Bezug auf die Kündigung des Vertrages. Auf Grund des Protestes seitens der oppositionellen mitte-linken bis linken StuPa-Faktionen soll mit Hilfe dieser Frist auch gezielt ein „Sachzwang“ geschaffen werden, der eine frühzeitige Beendigung des Projektes nach der nächsten Wahl unmöglich macht. So wurde der letztmögliche Kündigungszeitpunkt sicher nicht zufällig auf den 30.06. des jeweiligen Kalenderjahres festgelegt, ist dies doch traditionell der letzte Monat eines amtierenden AStAs und des ihn tragenden Studierendenparlaments.

Neben der Möglichkeit diese Farce bei einem zu erringenden Wahlsieg oppositioneller Hochschulgruppen frühzeitig nicht wieder beenden zu können, soll auch die künftige Öffentlichkeitsarbeit des AStA massiv durch eine Klausel, die eine wie auch immer geartete „Konkurrenz“ seitens des AStA explizit verbietet, eingeschränkt werden. Gleichzeitig soll der AStA dabei auf eine dauerhafte, aber nicht näher bezifferte Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins verpflichtet werden. Dies dürfte einen weiteren Schritt in Richtung der bereits diagnostizierbaren und vor allem seitens des RCDS forcierten „Entpolitisierung der Hochschulpolitik“ bedeuten. Der in der Vergangenheit immer wieder zum Ziel erklärte „Service-AStA“ wirft an dieser Stelle seine Schatten voraus.

Es handelt es sich bei Campus Mainz also mitnichten, wie es uns und euch die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und der AStA-tragenden Hochschulgruppen glauben machen wollen, um eine „neutrale“ Informationsplattform, an der alle Studierenden und deren gewählte Interessenvertreter_innen gleichrangig partizipieren können. Stattdessen ist zu erwarten, dass vor allem AStA-Projekte und universitäre „Großveranstaltungen“, also Veranstaltungen der institutionalisierten Geldgeber_innen, in den Vordergrund gerückt werden, während andere, vor allem kleinere, vom Verein als „unbedeutend“ oder „uninteressant“ eingestufte, Veranstaltungen wohl bestenfalls bei persönlicher Sympathie seitens der, von wem auch immer legitimierten und vor allem regulierten, Exekutivorgane des Vereins dargestellt werden. Die „Vermainstreamung“ der Kultur, die Marginalisierung von Alternativkultur, soll also auch auf dieser Ebene weiter forciert werden.

Dabei wäre ein anderes „Campus Mainz“ auf Basis der, dem Verein angeblich zugrunde liegenden, Vorstellungen wesentlich einfacher und vor allem auch günstiger zu haben gewesen: z. B. als eine offene Plattform in Form eines „Wikis“, an der alle interessierten Studierenden ohne großen Aufwand und individuelle Kosten hätten partizipieren können. Ein solches Projekt wäre folglich auch ohne eine zielgerichtete Kommerzialisierung, verbunden mit einer aufwändigen und immer fortwährenden Suche nach „Finanzpartner_innen“, machbar gewesen und wäre dadurch auch nie in den Ruch der Käuflichkeit seiner Inhalte, wie er neben dem strukturellen Aufbau der Basisfinanzierung vor allem auch durch die geplante Einarbeitung von Werbeanzeigen und kostenpflichtigen Premiumangeboten entsteht, geraten. Überhaupt bleibt mehr als fraglich, inwieweit kostenpflichtige Premiumangebote für eine auserlesene Klientel zu einem Projekt passen, dessen Infrastruktur sich ausschließlich durch öffentliche Gelder seitens Universität und Studierendenwerk sowie nicht zuletzt den Beiträgen der Studierenden selbst, finanziert.

Auch die wenig inklusive Form der Betreiber_innengruppe als Verein, basierend auf individuellen Mitgliedsbeiträgen und Hierarchien, wirkt dem angeblich angestrebten emanzipatorischen Charakters des Projektes entgegen. So bleibt die Frage, warum der Status einer einfachen und für alle Studierenden problemlos zugänglichen Hochschulgruppe nicht ausreichend gewesen wäre. Stattdessen sollen nun studentische Gelder in intransparenten Strukturen versickern, die, um neben den beglückten Studierenden vor allem die PR-Abteilungen von Universität und Studierendenwerk zu begeistern, auch noch die Identifikationsgeige spielen und damit der Kommerzialisierung der Uni, also ihrem „Labeling“ als geldwerte Marke, Vorschub leisten. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist auch ein Blick auf die Entstehungsgeschichte der Vereinsidee und bereits vorangegangener Projekte von nicht unerheblichem Interesse:

Denn nicht nur die Software CampusNet, in Mainz landläufig auch JOGU-StINe genannt, kommt ursprünglich aus Hamburg – auch das von Campus Mainz geplante Webportal hat dort seinen Ursprung. Dabei wirkt das Umfeld, in welchem das Ursprungsmodell namens „Campus Hamburg“ entstand, mehr als suspekt; dem Projekt haftet ein Ruf von beachtlicher Selbstbereicherung seiner Erschaffer_innen an. So war beispielsweise das gegenwärtige Vorstandsmitglied des Vereins Campus Hamburg e.V. zufälligerweise auch Vorsitzender des AStAs (der Juso-Hochschulgruppe) der Uni Hamburg. Entsprechende Entwicklungen sind für den geplanten Mainzer Ableger zwar noch nicht erkennbar, aber aufgrund der strukturellen Verknüpfungen von Träger_innenverein und AStA für die Zukunft alles andere als auszuschließen. So sind bereits jetzt etliche Mitglieder AStA-tragender Hochschulgruppen dem Verein beigetreten um auf dessen inhaltliche Ausrichtung Einfluss zu nehmen – und es ist zu erwarten, dass ihre Zahl nach einem entsprechenden Erfolg des Projekts noch weiter zunehmen wird. Dabei bleibt unklar, wie eine entsprechend einseitige politische Ausrichtung des Vereins verhindert werden soll. Wenig überraschend dürfte daher auch die unkritische und einseitig auf die angeblichen Vorteile des Projekts fixierte Haltung des gegenwärtigen Rechts-AStAs, bestehend aus RCDS und Juso-Hochschulgruppe, erscheinen.

Gerade aber vor diesem Hintergrund sollte allen Menschen klar sein, dass bei diesem Projekt so einige Interessen befriedigt werden, aber ganz sicher nicht die der Studierendenschaft! Entsprechend lässt dies für uns nur einen klaren Schluss zu: Keinen Cent für Campus Mainz! Für eine solidarische und kritische Universität!

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